Maria Guțu

Maria Guțus fotografische Praxis beschäftigt sich mit Erinnerung, Migration und der fragilen Beziehung zwischen Menschen, Landschaft und der Vorstellung von Heimat. Mit poetisch-dokumentarischer Fotografie entwickelt sie intime Erzählungen über Zugehörigkeit, Kindheit und die sich verändernden ländlichen Lebensrealitäten in der Republik Moldau.

MARIA GUȚU (*1996, MD) ist Fotografin. In ihrer Arbeit beschäftigt sie sich mit Heimat, Erinnerung, Jugend und Migration sowie mit der Beziehung zwischen Menschen, Tieren und den Landschaften, in denen sie leben. Guțu schloss 2020 ihr Studium der Kinematografie an der Academy of Music, Theatre and Fine Arts in Chișinău ab.

Guțu arbeitet vorwiegend mit analoger Schwarz-Weiß-Fotografie und entwickelt intime visuelle Erzählungen, die sowohl in ihrer eigenen Biografie als auch in den gesellschaftlichen Realitäten der heutigen Republik Moldau verwurzelt sind. Ihr Langzeitprojekt Homeland beschäftigt sich mit Arbeitsmigration, Kindheit, der Trennung von Familien und der Suche nach Zugehörigkeit in ländlichen Gemeinschaften. Statt Ereignisse unmittelbar zu dokumentieren, schaffen ihre Fotografien emotionale Räume, in denen Erinnerung, Natur und persönliche Geschichte miteinander verbunden sind.

Guțu erhielt internationale Anerkennung durch Nominierungen und Auszeichnungen, darunter den Leica Oskar Barnack Newcomer Award (2024), Portrait of Humanity, die Sony World Photography Awards und The Independent Photographer. Seit 2021 ist sie Mitglied von Women Photograph. Ihre Arbeiten wurden international ausgestellt und in Ausstellungen und Festivals in Europa und darüber hinaus präsentiert.

Folgende Arbeiten werden im Rahmen des Projekts EVROVIZION. CROSSING STORIES AND SPACES gezeigt:

After School Portrait, aus der Serie Homeland, Dorf Izvoare, Republik Moldau, 2019.
Portrait of Maria, aus der Serie Homeland, Dorf Sofia, Republik Moldau, 2024.
Girl with the Dog, aus der Serie Homeland, Dorf Varancău, Republik Moldau, 2021.
© Maria Guțu

In ihrer fortlaufenden Fotoserie Homeland setzte sich Maria Guțu mit dem Alltag in den ländlichen Regionen der Republik Moldau auseinander. Ausgehend von persönlichen Begegnungen verbinden ihre Fotografien individuelle Erfahrungen mit den umfassenderen gesellschaftlichen Veränderungen des Landes. Die ausgewählten Arbeiten zeigen Mädchen in ihrem unmittelbaren Lebensumfeld. In ihren analogen Schwarz-Weiß-Fotografien sind Tiere und Natur selbstverständlicher Teil dieses Alltags. Ihre Fotografien sind von Intimität, Vertrauen und gegenseitigem Respekt geprägt und spiegeln die engen Beziehungen wider, die sie zu den Porträtierten aufbaut.

Seit den 1990er-Jahren hat die Arbeitsmigration die Republik Moldau tiefgreifend verändert. Während viele Erwachsene über längere Zeit im Ausland arbeiten, wachsen zahlreiche Kinder bei ihren Großeltern oder anderen Verwandten auf. Statt diese Realität unmittelbar zu dokumentieren, zeigen Guțus Fotografien, wie politische und wirtschaftliche Veränderungen den Alltag, familiäre Beziehungen und das Aufwachsen prägen. Ohne nach dem Außergewöhnlichen zu suchen, reflektieren ihre Fotografien die langfristigen Folgen gesellschaftlicher Veränderungen, wie sie in alltäglichen Momenten sichtbar werden.

Wie in Liliana Corobcas Roman Kinderland liegt der Fokus nicht auf der Migration selbst, sondern auf dem Alltag der Kinder, die zurückbleiben.

#Evrovizion