Janine Jembere

Janine Jembere arbeitet in den Bereichen Video, Sound, Installation und Performance. Ihre Forschungen und oft kollaborativ entstehenden Arbeiten setzen sich mit Sinnlichkeit und Körperlichkeit auseinander und hinterfragen Konzepte der Übersetzbarkeit, des Ableismus, der Rasse und des Geschlechts.

Janine Jembere (geboren 1985 in Magdeburg/DE) absolvierte von 2005 bis 2011 ein Studium im Bereich visuelle Kommunikation und Medien an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg. 2008 verbrachte sie als Gaststudentin in Äthiopien, an der Universität Addis Abeba in der Abteilung für Bildende Kunst und Design. Jembere arbeitet mit Videos, Sound, Installationen und Performances. Ihre Forschung und Arbeit entsteht oft in Zusammenarbeit mit anderen und befasst sich mit Sinnlichkeit und Körperlichkeit. Dabei hinterfragt sie vor allem Aspekte wie Darstellung/Übersetzbarkeit, Ableismus, Rasse und Geschlecht. Jembere ist Theoriekuratorin am Tanzquartier Wien und forscht an der Akademie der bildenden Künste in Wien für das Projekt DisPossession: Postparticipatory Aesthetics and the Pedagogy of Land, bei dem sie sich mit zwischen 1880 und 1914 datierten Briefen, Petitionen und Artikeln afrikanischer Einwohner zur deutschen Kolonialherrschaft befasst. Ihre Dissertation zum Thema Dissonanz als Mittel, Verschiedenartigkeit neu zu denken, schreibt sie ebenfalls an der Kunstakademie Wien. Jembere lebt und arbeitet in Wien/AT und Berlin/DE.

Jemberes Arbeiten wurden unter anderem an folgenden Orten ausgestellt: Detroit Public Library, Detroit/US (2019); Forschungspavillon bei der 57. Biennale Venedig, Venedig/IT (2017); mumok, Wien/AT (2016); Dokumentarfilmwoche Duisburg, Duisburg/DE (2014); Haus der Kulturen der Welt, Berlin/DE (2014); transmediale, Berlin/DE (2014); Temps d’Images, Lissabon/PT (2012); Ballhaus Naunynstraße, Berlin/DE (2012); Golden Pudel Club, Hamburg/DE (2012); Hochschule für Musik Hanns Eisler, Berlin/DE (2010).

Nachfolgende Arbeit der Künstlerin wird in der Ausstellung EVROVIZION.CROSSING STORIES AND SPACES gezeigt:

Residence Time I (Atlantic Ocean, 29.04.2013), Fotografie, Kunstdruck auf Alu-Dibond, Farbe, eingerahmt, 147,8 cm x 111,2 cm, Bonn/DE, 2020.
Residence Time II (Atlantic Ocean, 29.04.2013), Fotografie, Kunstdruck auf Alu-Dibond, Farbe, eingerahmt, 147,8 cm x 111,2 cm, Bonn/DE, 2020.
Residence Time III (Atlantic Ocean, 05.05.2013), 18 Fotografien, Kunstdruck auf Alu-Dibond, Farbe, je 40 cm x 38 cm, Bremen/DE, 2020.
Residence Time IV (Atlantic Ocean, 30.04.2013), 10 Fotografien, Kunstdruck auf Alu-Dibond, Farbe, je 40 cm x 38 cm, Bremen/DE, 2020.

Paperlands (Detail BArch 1001/4073, 4299…, Reichskolonialamt), 22 Fotografien, Druck auf Papier, Schwarz-Weiß, je 21 cm x 29,7 cm, Berlin/DE, 2020.
Paperlands (Detail BArch 1001/4202, Reichskolonialamt), 1 Fotografie, Druck auf Papier, Schwarz-Weiß, eingerahmt 30 cm x 40 cm, Berlin/DE, 2020.**

Courtesy Janine Jembere und Bundesarchiv Berlin

Janines Jemberes Werk Residence Time positioniert sich im Spannungsfeld zwischen Dokument und Ephemerem, zwischen dokumentarischer und künstlerischer Arbeit. Ihre Fotografien des Atlantiks und die Reproduktionen von Akten aus dem Bestand des deutschen Reichskolonialamtes eint ein Rauschen, das hier sowohl formal als auch inhaltlich verstanden werden kann. In der Bildsprache der vielteiligen Arbeit dominieren Bewegung und Wiederholung. Residence Time basiert auf einer intensiven Recherche zu Kolonialismus und Holocaust, welche die Spuren der Gegenwart und nicht die Fakten in den Vordergrund rückt. Der Begriff „Residence Time“, zu Deutsch „Verweildauer“, ist entlehnt aus Christina Sharpes Buch „In The Wake: On Blackness And Being“. Im Gespräch mit einer Biologin lernen wir hier, dass menschliches Blut erst nach 260 Millionen Jahren aus den Ozeanen verschwindet. Der Begriff des Verweilens nutzt Jembere als Möglichkeit, nach dem Fortwirken kolonialer Spuren bis in die Gegenwart zu fragen. Welche Spuren der Gewalt und auch des Widerstands sind in den schriftlichen Dokumenten und welche im Wasser nachweisbar? Inwieweit ist das Wasser selbst ein Zeuge, ein Dokument oder gar ein Mahnmal?

Jembere übersetzt mit ihrer Arbeit die Auseinandersetzung mit deutscher kolonialer Vergangenheit sowie dem menschlichen Leben und Sterben in eine künstlerische poetische und eindrückliche Bildsprache und schärft damit unser Bewusstsein für das Thema. Residence Time zeigt auf, dass die Historie nicht als abgeschlossen, sondern als Prozess zu sehen ist. So sind auch Menschen nicht als verschwundene, sondern als widerspenstige Zeitgenossen, die über Zeiten und Orte hinweg existieren, wahrzunehmen. Die Arbeit schafft eine Verbindung zwischen den Schiffen des transatlantischen Sklavenhandels und den heutigen Schlepperbooten, die flüchtende Menschen über das Mittelmeer transportieren, und lässt damit auch die EU-Einwanderungspolitik hinterfragen.

Die Serie Residence Time ist Teil der ifa-Kunstkollektion.

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Werke

  • ResidenceTime III + IV
  • Residence Time
  • Residence Time I
  • Residence Time II
  • Residence Time, Sarajevo 2021.
  • Residence Time / Sarajevo 2
  • Residence Time / Sarajevo 3

#Evrovizion